In der Kinder- und Jugendhilfe ist ein Clearing ein Instrument, um krisenhafte Familiensituationen zu klären und passgenaue Hilfen zu entwickeln.
In einem Clearing setzen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter alles daran, Familienprobleme für Kinder und Jugendliche zu lösen. Sie bringen Herzlichkeit, Wärme und Licht in Familien, die mit Schmerz und Not kämpfen – und sie helfen Kindern, sich von der Gesellschaft beschützt zu fühlen. Sie können Kinderrechte durchsetzen, auch gegenüber deren gewaltbereiten Eltern. Sie holen Kinder und Jugendliche aus der Gefahr. Auch im Fall sexualisierter Gewalt. Das Clearing ist dafür eine Vorstufe.
Was ist drin?
- Eine kurzfristige, strukturierte Maßnahme, die ein Jugendamt oder ein Familiengericht beauftragt.
- Lösungswege entlang Ressourcen aufspüren, nach Bedarf und Zielen. Bei Kindeswohlgefährdung mit dem Fokus auf Traumafolgelösungen.
- Unterstützung: Lösungen finden, die zu den individuellen Bedürfnissen passen.
Wie funktioniert ein Clearing?
- Individuell und lösungsorientiert: Die soziale Fachkraft betrachtet eine Familie als Expertin für ihre eigene Situation, ihren Alltag und die Bedürfnisse darin.
- Vielfältige Methoden: Von biografischen Interviews mit Tools für Beobachtung & Dokumentation bis zur Analyse von Kommunikations- und Interaktionsmustern.
- Klärungsphasen: Ein ambulantes Clearing wird zwischen 2 und 8 Wochen dauern – je nachdem, wie komplex die Situation ist.
Warum ist das wichtig?
Clearings schaffen Klarheit in Krisen, stärken Vertrauen in eigene Ressourcen und öffnen mögliche Perspektiven für die Zukunft.
Problem:
Manche Eltern sind nicht bereit oder in der Lage, an der Beendigung der Gefahr mitzuwirken.
Wenn wir lösungsorientiert so verstehen, dass die Lösungen allen in der Familie gefallen sollen, werden wir tatverdächtige Eltern vorwarnen. Das heißt, dass wir ihnen in die Hände spielen, dass sie ihre Kinder einschüchtern können, zum Schweigen bringen, ihnen Schutz vorenthalten, mit ihnen aus dem Einflussbereich der zuständigen Behörde wegziehen (wie Kinderschutznomaden), oder anders auf ihren eigenen Vorteil bedacht sein werden. Ein Nebensatz im §8a KJHG möchte dem vorbeugen: Soweit der wirksame Schutz dieses Kindes oder dieses Jugendlichen nicht in Frage gestellt wird, hat das Jugendamt die Erziehungsberechtigten sowie das Kind oder den Jugendlichen in die Gefährdungseinschätzung einzubeziehen …

Wenn du dir also beim Verdacht auf sexualisierte Gewalt eine fachliche Meinung bilden möchtest: Das Diagnose-Tool Sexueller Missbrauch unterstützt dich online mit einem interaktiven Check.
Über die Autorin

Andrea Brummack ist freie Sachverständige in Fragen sexualisierter Gewalt. Sie hilft Menschen, sexuelle Übergriffe zu bewältigen – auf der Basis nonverbaler Methoden. Sie forscht zu Traumafolgelösungen, publiziert darüber und entwickelt Fortbildungen, Workshops etc.
Ihr Buch „Way Out: Sichere Hilfe für missbrauchte Kinder. Was hilft und was heilt“ ist beim Springer-Verlag Berlin Heidelberg erschienen. Sie lebt derzeit in Tübingen bei Stuttgart, glaubt an die tägliche Portion Stille und liebt gut gemachte Krimis, in denen die Bösen ihr Fett ab kriegen. Ohne Glitzer.
„Meine Vision ist eine neue Generation von sozialen Fachkräften, die leicht mit dem Thema sexualisierte Gewalt gegen Kinder umgehen. Ich wünsche mir lebendige Beziehungen im Kinderschutz. Und ich verstehe, dass sozialpädagogische Fachkräfte ihre Arbeit lieben – auch wenn der Stress gewaltig ist. Weil da diese Kinder sind. Diese kleinen, unverfälschten Menschen.”