Was ist Abwehr? Abwehrmechanismen sind instinktive psychische Schutzsysteme. Sie helfen uns, unerträgliche Situationen auszuhalten, indem sie die psychischen Lasten vom Bewusstsein fernhalten. Beim Thema sexualisierte Gewalt können Abwehrprozesse zum Problem werden.
Warum?
Abwehr verhindert oft, dass Erwachsene handlungsfähig bleiben. Sie blockiert die Fähigkeit, Signale von Kindern klar zu erkennen und angemessen zu reagieren. Das bedeutet: betroffene Kinder bleiben ohne Schutz, Hilfe oder Unterstützung – obwohl sie diese dringend brauchen.
Einerseits bist du betroffen von dem, was du erfährst. Gleichzeitig wehrt sich dein Ich und beschützt dich davor, innerlich zu zersplittern. Dieser Instinkt sorgt dafür, dass du weiter funktionieren kannst. Das ist einerseits überlebenswichtig, andererseits kann es dich daran hindern, die Gefahr für ein Kind zu erkennen. Deine gesunde Abwehr kann verhindern, dass du erkennst, dass ein Kind in Gefahr ist.
Abwehrmechanismen können wichtige Hinweise sein
Auf der anderen Seite gehören die unbewussten Prozesse rund um Abwehr dazu, um nach und nach zu verstehen, ob ein Verdacht vorliegt. Es ist wichtig, innezuhalten, sich die eigenen Reaktionen einzugestehen, sie zu reflektieren und auszutauschen. So wird es möglich, sexuelle Übergriffe auf Kinder mit allen Mitteln zu verhindern.
- Achte auf eigene Abwehrmechanismen: Fällt es dir schwer, einem Verdacht nachzugehen?
- Dokumentiere, was dir aufgefallen ist und gib deine Beobachtungen weiter
- Sprich über deine Beobachtungen

Und falls du weiter gehen möchtest in der Verdachtsabklärung, die Gefahr einschätzen und dir eine fachliche Meinung bilden: Der Screeningbogen unterstützt dich mit einem additiven Verfahren.
Über die Autorin

Andrea Brummack ist freie Sachverständige in Fragen sexualisierter Gewalt. Sie hilft Menschen, sexuelle Übergriffe zu bewältigen – auf der Basis nonverbaler Methoden. Sie forscht zu Traumafolgelösungen, publiziert darüber und entwickelt Fortbildungen, Workshops etc.
Ihr Buch „Way Out: Sichere Hilfe für missbrauchte Kinder. Was hilft und was heilt“ ist beim Springer-Verlag Berlin Heidelberg erschienen. Sie lebt derzeit in Tübingen bei Stuttgart, glaubt an die tägliche Portion Stille und liebt gut gemachte Krimis, in denen die Bösen ihr Fett ab kriegen. Ohne Glitzer.
„Meine Vision ist eine neue Generation von sozialen Fachkräften, die leicht mit dem Thema sexualisierte Gewalt gegen Kinder umgehen. Ich wünsche mir lebendige Beziehungen im Kinderschutz. Und ich verstehe, dass sozialpädagogische Fachkräfte ihre Arbeit lieben – auch wenn der Stress gewaltig ist. Weil da diese Kinder sind. Diese kleinen, unverfälschten Menschen.”