Deine Beobachtungen sind die ersten Schritte, um sexualisierte Gewalt gegen Kinder aufzudecken und rechtssicher zu beenden. Wie kannst du diese Beobachtungen so dokumentieren, dass sie nachvollziehbar, glaubhaft und hilfreich sind?
Für deine Orientierung:
- Wie kann ich meine Beobachtungen so festhalten, dass andere sie als Anhaltspunkte gelten lassen?
- Wie bleibe ich fokussiert, wenn ich emotional verwickelt bin?
- Wie gehe ich damit um, dass mich das Thema betroffen macht oder belastet?
Zwei Schritte der Dokumentation
- Sachlich festhalten: Schreib auf, was du gesehen, gehört oder wahrgenommen hast – neutral und vor allem ohne Interpretationen oder Annahmen. Zum Beispiel: „Das Kind hatte blaue Flecken am Oberarm. Es ging mir aus dem Weg.“
- Kontext und persönliche/fachliche Einschätzung: Ergänze, was du daraus schließt. Zum Beispiel: „Die blauen Flecken sind an einer Stelle, die als typisch für Gewalt gilt. Das Verhalten des Kindes erschien mir auffällig, weil es normalerweise offen, lebhaft und zugewandt ist.“
Tipps:
- Nimm dir bewusst Zeit, um deine Gedanken und Gefühle zu sortieren – zum Beispiel durch ein Gespräch mit einer Fachperson. Sprich mit einer Vertrauensperson über die Belastung. Filtere die mentale/emotionale Last heraus; unterscheide sie von den Tatsachen und dem, was zu tun ist.
- Erinnere dich daran, dass jeder Verdacht, den du weitergibst, dazu beitragen kann, ein Kind zu schützen.
- Bleib respektvoll – dein Ziel ist es zu helfen, nicht zu urteilen.
Präzise zu dokumentieren, ist ein Schlüssel für mehr Klarheit im Kinderschutz und für deine seelische Hygiene.

Über die Autorin

Andrea Brummack ist freie Sachverständige in Fragen sexualisierter Gewalt. Sie hilft Menschen, sexuelle Übergriffe zu bewältigen – auf der Basis nonverbaler Methoden. Sie forscht zu Traumafolgelösungen, publiziert darüber und entwickelt Fortbildungen, Workshops etc.
Ihr Buch „Way Out: Sichere Hilfe für missbrauchte Kinder. Was hilft und was heilt“ ist beim Springer-Verlag Berlin Heidelberg erschienen. Sie lebt derzeit in Tübingen bei Stuttgart, glaubt an die tägliche Portion Stille und liebt gut gemachte Krimis, in denen die Bösen ihr Fett ab kriegen. Ohne Glitzer.
„Meine Vision ist eine neue Generation von sozialen Fachkräften, die leicht mit dem Thema sexualisierte Gewalt gegen Kinder umgehen. Ich wünsche mir lebendige Beziehungen im Kinderschutz. Und ich verstehe, dass sozialpädagogische Fachkräfte ihre Arbeit lieben – auch wenn der Stress gewaltig ist. Weil da diese Kinder sind. Diese kleinen, unverfälschten Menschen.”