Vor zwei Tagen auf Facebook …
… habe ich eine Frage angeregt. Die Antworten haben mich bewegt, und weil sie so vielfältig sind, stelle ich sie vor.
Das war der Facebook-Beitrag:
Der Elefant im Raum ist eine verbreitete Metapher. Sie steht für ein Problem, das zwar für eine Gruppe von Menschen klar erkennbar und bedeutsam ist, aber von diesen nicht thematisiert wird.
Die Gründe für das Schweigen können vielfältiger Natur sein. Zum Beispiel die Angst vor persönlichen Nachteilen und Repressionen. Oder die Furcht, jemanden – womöglich Anwesende – zu verletzen, ein Tabu zu brechen oder allgemein ungeschriebene Regeln zu missachten.
Was ist deine Meinung?
Jetzt würde mich echt deine Meinung interessieren: Was ist in deinen Augen ein Problem im Kinderschutz, das zwar wichtig ist, aber nichts, über das man spricht? Auf was hat man sich sozusagen allgemein geeinigt, es beiseite zu lassen, obwohl es den Kern betrifft?
Stefanie
Ich habe heute gelesen, dass sexueller Missbrauch unter Geschwistern scheinbar tabuisiert wird und häufiger vorkommt als man denkt. Das ist ein sehr großer Elefant, wenn dem so ist. Da wird gerade geforscht, es dauert also noch sehr lange, bis den Betroffenen überhaupt zugehört wird.
Anna
„Wir haben den Verdacht der Leitung mitgeteilt, aber DIE machen nichts.“ Nach dem Motto, ich bin nicht mehr verantwortlich, wenn ich es delegiert habe. Ich habe das schon oft gehört. Kinderschutz der auf dem Papier verrottet.
Σοφία
Ich finde es überhaupt schwierig, ich sage mal aufklärend mit Kleinkindern darüber zu sprechen. Sie leben von ihrer seelischen Entwicklung so sehr noch im „alles ist gut und schön“, dass man auch furchtbares anrichten könnte, weil man sich präventiv verhalten möchte und damit Ängste und Unsicherheiten beim Kind erzeugt. Das ist für mich persönlich ein richtiger Elefant im Raum.
Monika
Ich habe als Kind sehr lange gelebt mit dem Elefant im Raum. Meine Mutter war Missbrauchsüberlebende und Alkoholikerin. Erst mit 60 Jahren hat sie ausgepackt. Ich finde es so wichtig, die Dinge anszusprechen. Andrea, Du tust eine ganz, ganz wertvolle Arbeit!
Behut Sam
Ein großer Elefant besteht für mich weiterhin darin, dass zu viele Menschen glauben, man könne/würde es einem Menschen ansehen, dass/ob er so etwas macht. Und das stimmt so leider gar nicht!
Theresia
Die Mutter kann nie was dafür.
Wenn dich diese Wirklichkeit stört und du für Kinder verantwortlich bist, bei denen ein Verdacht im Raum steht, dann schreib mir gerne oder nutze Material von mir für deine fachliche Meinung. Und wenn du eine Meinung hast, bitte schreib mich an und teile deine Antwort zum Elefant im Raum. Ich füge sie direkt hier oben ein.
Praktische Hilfsmittel
- Der Screeningbogen zum Beispiel unterstützt dich mit einem additiven Verfahren, meiner Fokusmethode.
- In meinem Buch »Mach, dass es aufhört. Signale von Kindern nach sexualisierter Gewalt« findest du ein praktikables System für Kinderschutz. Das Buch ist ein praktischer Handlungsleitfaden in sieben Kapiteln, dicht gepackt mit Infos, der sich sehr gut liest. Er hilft dir dabei, viel früher zu intervenieren und Täterpersonen zu stoppen.
- Der Beobachtungsbogen zur Dokumentation ist eine hilfreiche Protokollvorlage. Hier kannst du ihn runterladen.
Über die Autorin

Andrea Brummack ist freie Sachverständige in Fragen sexualisierter Gewalt. Sie hilft Menschen, sexuelle Übergriffe zu bewältigen – auf der Basis nonverbaler Methoden. Sie forscht zu Traumafolgelösungen, publiziert darüber und entwickelt Fortbildungen für soziale Fachkräfte.
Ihr Buch „Way Out: Sichere Hilfe für missbrauchte Kinder. Was hilft und was heilt“ ist beim Springer-Verlag Berlin Heidelberg erschienen. Sie lebt derzeit in Tübingen bei Stuttgart, glaubt an die tägliche Portion Stille und liebt gut gemachte Krimis, in denen die Bösen ihr Fett ab kriegen. Ohne Glitzer.
„Meine Vision ist eine neue Generation von sozialen Fachkräften, die leicht mit dem Thema sexualisierte Gewalt gegen Kinder umgehen. Ich wünsche mir lebendige Beziehungen im Kinderschutz. Und ich verstehe, dass sozialpädagogische Fachkräfte ihre Arbeit lieben – auch wenn der Stress gewaltig ist. Weil da diese Kinder sind. Diese kleinen, unverfälschten Menschen.”