Fachvortrag vom Mai 2025, Tonfeldtreffen in Berlin (nachträglich aufgesprochen)
Manchmal geschieht der Wandel in einer Therapie nicht durch große Worte, sondern durch Bilder, die sich ins Erleben einprägen. Sie wirken wie Auslöser für etwas Gutes, für das Neue. In einem Vortrag in Berlin habe ich die Umkehrbilder des Schweigens beschrieben und gezeigt, wie sie nach sexualisierter Gewalt zu positiven Perspektiven beitragen können. Für Kinder, Jugendliche, Familien und die soziale Arbeit.
Was sind Umkehrbilder?
Umkehrbilder sind heilsame Wendepunkte. Sie verändern die Richtung – von erstarrt zu lebendig, von gewaltvoll zu schützend, von ohnmächtig zu wirksam. Sie entstehen in Szenen, Handlungen, inneren Bildern und wirken manchmal fast beiläufig. Und dennoch sind sie entscheidend.
Ein Umkehrbild kann so einfach sein wie ein Sofa, auf dem ein Kind zur Ruhe kommt. Oder eine Mutter, die ihr Kind in den Arm nimmt – in einem Moment, in dem es das am meisten braucht.
Ein Beispiel: Tim
In meinem Vortrag erzähle ich die Geschichte von Tim (Name geändert). Ein vierjähriger Junge im Frauenhaus, voller Energie und richtig verzweifelt. Ein Kind, das andere Kinder verletzt – und dabei selbst Schutz bräuchte.
Seine Mutter ist schwer traumatisiert. Ihr Blick: leer. Ihre Worte: „Ich habe noch nie Liebe erfahren.“ Tim erinnert sie an ihren Vergewaltiger. Sie sieht in ihm den Täter – und kann ihn kaum lieben.
In der Tonfeldtherapie mit Tim erlebe ich Rückschritte, Eskalationen, Ohnmacht. Und dann: eine Wende.
Hier kannst du dir den Vortrag in voller Länge (20 min) ansehen:
Zum Video auf Vimeo klicke in das GIF:

Der Abschnitt über Umkehrbilder stammt aus meinem Buch: Way Out – Sichere Hilfe für missbrauchte Kinder. Was hilft und was heilt.
Über die Autorin

Andrea Brummack ist Kunst- und Tonfeldtherapeutin, freie Sachverständige in Fragen sexualisierter Gewalt und Kinderschutzbeauftragte. Sie hilft Menschen, sexuelle Übergriffe zu bewältigen – auf der Basis nonverbaler Methoden. Sie forscht zu Traumafolgelösungen, publiziert darüber und entwickelt Fortbildungen.
Ihr Buch „Way Out: Sichere Hilfe für missbrauchte Kinder. Was hilft und was heilt“ ist beim Springer-Verlag Berlin Heidelberg erschienen. Sie lebt derzeit in einem Dorf bei Stuttgart, glaubt an die tägliche Portion Stille und liebt gut gemachte Krimis, in denen die Bösen ihr Fett ab kriegen. Ohne Glitzer.
„Meine Vision ist eine neue Generation von sozialen Fachkräften, die leicht mit dem Thema sexualisierte Gewalt gegen Kinder umgehen. Ich wünsche mir lebendige Beziehungen im Kinderschutz. Und ich verstehe, dass sozialpädagogische Fachkräfte ihre Arbeit lieben – auch wenn der Stress gewaltig ist. Weil da diese Kinder sind. Diese kleinen, unverfälschten Menschen.”