Verharmlosung von Sadismus
Der Verdacht war vor einigen Jahrzehnten ein Buchtitel (1953). Ein Krimi. Die Klinik „Sonnenstein“ fungiert darin als Symbol für das Verharmlosen von Sadismus durch eine professionelle Fassade.
Wenn du heute den Verdacht hast, dass ein Kind sexuelle Übergriffe erlebt, kannst du dich an eine Fachstelle wenden, an ein Jugendamt, ein Familiengericht, eine Sozialarbeiterin oder einen Sozialarbeiter oder an die Polizei.
Die Fachkräfte stehen unter Druck. Sie nehmen deine Beobachtungen auf, können den Verdacht aber nur schwer einordnen. Sie rutschen schnell in die Rolle „Sonnenstein“. Der Reflex ist einfach da. Wenn wir ehrlich sind, kennen wir ihn alle. Es ist ein Selbstschutz, allzu menschlich und verständlich.
- »Das glaube ich nicht!«
- »Ich finde, du übertreibst.«
- »Woran willst du das denn sehen?«
Andererseits kann genau dieser Reflex ein Hinweis auf Gewalt sein. Damit er nicht an den Menschen vorbeigeht, die für Kinderschutz verantwortlich sind, können sie ihre Beobachtungen strukturieren. Um nicht für Kinder, die überhaupt nichts dafür können, dass sie gewaltbereite Eltern haben, die Zukunft zu verträumen.
Das geht zum Beispiel mit einem Screeningbogen. Dieser Screeningbogen, den du unten noch einmal siehst, ist die Basis dafür. Es geht dabei um ein additives Verfahren innerhalb der von mir entwickelten Fokusmethode. Sie ist dafür geeignet, den Fokus zu behalten – im emotional aufgeladenen, psychisch belastenden und verwirrenden Feld sexualisierter Gewalt.
Wenn du mehr wissen willst, dann schau dir die Webseite an, auf der ich die Fokusmethode beschreibe.
Die nichtsprachlichen Hinweise und Anhaltspunkte sind für Klarheit im Kinderschutz sehr cool. Beim Verdacht auf Kindeswohlgefährdung kannst du sie abwägen, sammeln, einordnen und für deine Dokumentation/ soziale Arbeit nutzen.

P.S.: Wenn du für deine Organisation einen Workshop buchen möchtest, zum Beispiel zum Erkennen sexualisierter Gewalt gegen Kinder, dann schreib mir gerne eine Mail an: trains@andreabrummack.de
Über die Autorin

Andrea Brummack ist freie Sachverständige in Fragen sexualisierter Gewalt. Sie hilft Menschen, sexuelle Übergriffe zu bewältigen – auf der Basis nonverbaler Methoden. Sie forscht zu Traumafolgelösungen, publiziert darüber und entwickelt Fortbildungen, Workshops etc.
Ihr Buch „Way Out: Sichere Hilfe für missbrauchte Kinder. Was hilft und was heilt“ ist beim Springer-Verlag Berlin Heidelberg erschienen. Sie lebt derzeit in Tübingen bei Stuttgart, glaubt an die tägliche Portion Stille und liebt gut gemachte Krimis, in denen die Bösen ihr Fett ab kriegen. Ohne Glitzer.
„Meine Vision ist eine neue Generation von sozialen Fachkräften, die leicht mit dem Thema sexualisierte Gewalt gegen Kinder umgehen. Ich wünsche mir lebendige Beziehungen im Kinderschutz. Und ich verstehe, dass sozialpädagogische Fachkräfte ihre Arbeit lieben – auch wenn der Stress gewaltig ist. Weil da diese Kinder sind. Diese kleinen, unverfälschten Menschen.”