Was ist Kindeswohl – und was bedeutet Kindeswohlgefährdung?
Was Kindeswohl und Kindeswohlgefährdung konkret bedeutet, ist gesetzlich an keiner Stelle genau definiert. Beide sind bis heute sogenannte unbestimmte Rechtsbegriffe geblieben. In jedem Einzelfall muss eine eigenständige Einschätzung erfolgen. Wann die Schwelle zur Kindeswohlgefährdung erreicht ist, bedarf einer fachlichen Einschätzung mit hohen Anforderungen an die Fachkräfte aus Jugendhilfe und Justiz.
Kindeswohlgefährdung entsteht durch aktives Handeln oder Unterlassen der Personensorgeberechtigten oder durch das Verhalten Dritter. Sie kann durch Sorgerechtsmissbrauch, bewusstes Handeln oder unverschuldetes Versagen geschehen. Dazu gehören:
Formen der Kindeswohlgefährdung
- Vernachlässigung
- Erziehungsgewalt & Misshandlung
- Sexualisierte Gewalt
- Häusliche Gewalt
Wann ist die Schwelle zur Kindeswohlgefährdung erreicht?
Laut Bundesgerichtshof (1956) müssen drei Kriterien gleichzeitig erfüllt sein:
- Die Gefahr besteht gegenwärtig
- Die gegenwärtige oder zukünftige Schädigung ist erheblich
- Die Schädigung ist bereits eingetreten oder mit ziemlicher Sicherheit vorhersehbar
Was ist zu beachten?
- Jede Situation erfordert eine individuelle fachliche Einschätzung.
- Entscheidend ist vor allem die negative Wirkung, die nachhaltige körperliche, geistige oder seelische Schädigung, die aus der Beeinträchtigung des Kindeswohls folgt.
- Erziehungsberechtigte müssen dazu fähig und bereit sein, eine Gefährdung abzuwenden.
Mehr Informationen auf der Seite Kinderschutz NRW

Falls du einmal vor Gericht in eine kinderschützende Position kommst, habe ich hier unten direkt ein Video verlinkt. Stell dir vor, du streitest mit einem misshandelnden Elternteil. Die Richterin oder der Richter wird sich eine Meinung über die Aussage des Kindes machen wollen. Für Kinder ist es leichter, wenn sie von vorneherein beteiligt werden. Eine Befragung ist dann leichter für sie. Vor allem ist es eine Hilfe für euch, wenn ihr euch gemeinsam vorbereitet auf das, was kommt. Ich denke, das ist viel besser, als ins Ungewisse zu laufen.

Über die Autorin

Andrea Brummack ist freie Sachverständige in Fragen sexualisierter Gewalt. Sie hilft Menschen, sexuelle Übergriffe zu bewältigen – auf der Basis nonverbaler Methoden. Sie forscht zu Traumafolgelösungen, publiziert darüber und entwickelt Fortbildungen für soziale Fachkräfte.
Ihr Buch „Way Out: Sichere Hilfe für missbrauchte Kinder. Was hilft und was heilt“ ist beim Springer-Verlag Berlin Heidelberg erschienen. Sie lebt derzeit in Tübingen bei Stuttgart, glaubt an die tägliche Portion Stille und liebt gut gemachte Krimis, in denen die Bösen ihr Fett ab kriegen. Ohne Glitzer.
„Meine Vision ist eine neue Generation von sozialen Fachkräften, die leicht mit dem Thema sexualisierte Gewalt gegen Kinder umgehen. Ich wünsche mir lebendige Beziehungen im Kinderschutz. Und ich verstehe, dass sozialpädagogische Fachkräfte ihre Arbeit lieben – auch wenn der Stress gewaltig ist. Weil da diese Kinder sind. Diese kleinen, unverfälschten Menschen.”