Hast du gewusst, dass Kinder, die Zeugen häuslicher Gewalt werden, von dieser Gewalt ebenso betroffen sind wie diejenigen Erwachsenen oder Kinder, die dieser Gewalt körperlich ausgesetzt sind? Häusliche Gewalt hat Folgen für die Kinder von Eltern, die Gewalt erleben. Die Istanbul-Konvention erkennt das an und fordert besondere Schutzmaßnahmen für diese Kinder.
Was ist die Istanbul-Konvention?
Die Istanbul-Konvention ist ein internationales Abkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. Sie wurde 2011 in Istanbul verabschiedet und trat 2018 in Deutschland in Kraft. Ihr Ziel: Gewalt verhindern und die Strafverfolgung von Täterpersonen sicherstellen.
Obwohl der Fokus auf Gewalt gegen Frauen liegt, schützt die Konvention auch Kinder. Sie sichert Kindern ein Recht auf ein Leben ohne Gewalt zu – und dass der Schutz vor Gewalt Vorrang vor dem Umgangsrecht von Eltern haben muss.
Was bedeutet das für den Kinderschutz in Deutschland?
Die Istanbul-Konvention stärkt den Kinderschutz und gibt Fachkräften Argumente an die Hand:
- Umgangsrechte begrenzen
Gewaltbereite Eltern dürfen keinen weiteren Schaden anrichten. Die Istanbul-Konvention bietet eine Grundlage, um Umgangsrechte zu begrenzen oder gänzlich auszusetzen, wenn sie das Kindeswohl gefährden.
Jugendämter und Gerichte sind verpflichtet, Kinder aktiv zu schützen. Kinderschützerinnen und Kinderschützer können konsequente Maßnahmen fordern, um gefährdete Kinder aus gewaltvollen Kreisen zu holen.
- Sensibilisierung und Schulung
Fachkräfte können Fortbildungen einfordern, um Gewalt besser zu erkennen und professionell darauf zu reagieren. Das Wissen über Traumafolgen und die Gewaltpsychologie sind essenziell.
- Politische Grundlage
Die Istanbul-Konvention ist die politische Grundlage dafür, wie wir Kinder und Jugendliche vor Gewalt schützen. Sie kann genutzt werden, um politischen Druck aufzubauen und sicherzustellen, dass der Schutz von Kindern in der Praxis umgesetzt wird.

Über die Autorin

Andrea Brummack ist freie Sachverständige in Fragen sexualisierter Gewalt. Sie hilft Menschen, sexuelle Übergriffe zu bewältigen – auf der Basis nonverbaler Methoden. Sie forscht zu Traumafolgelösungen, publiziert darüber und entwickelt Fortbildungen für soziale Fachkräfte.
Ihr Buch „Way Out: Sichere Hilfe für missbrauchte Kinder. Was hilft und was heilt“ ist beim Springer-Verlag Berlin Heidelberg erschienen. Sie lebt derzeit in Tübingen bei Stuttgart, glaubt an die tägliche Portion Stille und liebt gut gemachte Krimis, in denen die Bösen ihr Fett ab kriegen. Ohne Glitzer.
„Meine Vision ist eine neue Generation von sozialen Fachkräften, die leicht mit dem Thema sexualisierte Gewalt gegen Kinder umgehen. Ich wünsche mir lebendige Beziehungen im Kinderschutz. Und ich verstehe, dass sozialpädagogische Fachkräfte ihre Arbeit lieben – auch wenn der Stress gewaltig ist. Weil da diese Kinder sind. Diese kleinen, unverfälschten Menschen.”