Diese Frage höre ich oft: Soll ich mich wirklich einmischen, wenn ich einen Verdacht auf Kindeswohlgefährdung habe?
Ja, misch dich ein
Die Familiengrundrechte (Artikel 6 GG) schützen Ehe und Familie – das natürliche Recht der Eltern auf Pflege und Erziehung ihrer Kinder. Im Grundgesetz steht auch: Die staatliche Gemeinschaft, also wir alle, wacht darüber, dass dieses Recht zum Wohl von Kindern ausgeübt wird. Wenn Eltern versagen oder zur Gefahr für ihre Kinder werden, kann der Staat eingreifen – bis hin zur Trennung von der Familie.
Warum ist das wichtig?
In meiner Arbeit stoße ich immer wieder auf den Konflikt zwischen Familiengrundrechten und Kinderrechten. Rund 80 % der Fälle, mit denen ich konfrontiert bin, betreffen sexuellen Missbrauch – der Definition nach ist das sexuelle oder sexualisierte Gewalt von Eltern gegen ihre Kinder.
Sexuelle Übergriffe sind Straftaten. Die Täterperson versagt als Elternteil, er oder sie sollte das Recht auf Umgang verlieren – auch gegen seinen Willen.
Heißes Eisen? Ja
Kinderschutz ist oft unbequem, aber sehr notwendig. Die verantwortlichen Institutionen sollen Kinder und Jugendliche vor Gefahren schützen. Wenn Familiengrundrechte mit Kinderrechten kollidieren, steht das Wohl des Kindes an erster Stelle.
Es gibt klare Gesetze und Strukturen, um einzugreifen. Und es gibt nützliche Werkzeuge, die dir über die Hürden helfen können und die Wege ebnen.
Das Journal für Kinderschutz kann dir Klarheit geben. Es ist ein dynamisches Werkzeug, das dir dabei hilft, deine Gedanken zu ordnen. Schreiben heißt Worte finden, es heißt dokumentieren, sich absichern und entlasten. Gefahren für das Kindeswohl fordern heraus. Du bist verantwortlich, und du gehst an deine Reserven. Durch das Aufschreiben siehst du, was sich verändert. Du pflegst eine Kultur des Hinschauens.
Wie funktioniert es?
Für deine Routine findest du Gedankenimpulse, die dich darin unterstützen, dir ein Bild von möglichen Gefährdungen zu machen. Die Abläufe wiederholen sich und begleiten dich im Alltag mit Kindern, Jugendlichen und Klient*innen, für die du verantwortlich bist. In jeder Einheit hast du die Möglichkeit, deinen Auftrag zu klären und genau zu bestimmen, wo du stehst. Außerdem bekommst du informative Grundlagen; damit kannst du dich auf die Reflexionen einstimmen und sie am Ende Revue passieren lassen.
Bestens vorbereitet
Die Schreibroutine bereitet dich darauf vor, fachlich Position zu beziehen und gleichzeitig auch auf Stellungnahmen, die für Familienrichter*innen wichtig sind, um tragfähige, kinderschützende Entscheidungen zu treffen.
Wenn es dazu kommt, dass ein Anwalt die Interessen misshandelter Kinder in einem Umgangsverfahren vertritt, dann hast du genau die Daten, Zahlen und Fakten auf dem Papier, die jetzt wichtig sind. Und falls du sie selbst vertrittst, weil niemand anders da ist, weil du alleine mit deiner Meinung dastehst, falls deine Organisation keine eigene Rechtsabteilung hat usw.
Kinderschutz heißt oft Krisenmodus statt Solidarität und Verständnis, es bedeutet Widersprüche, Probleme und tragische Fälle. Nutze das Potential einer guten Dokumentation.
Der Weg zu mehr Aussagekraft

Wenn du dir beim Verdacht auf sexualisierte Gewalt eine fachliche Meinung bilden möchtest: Das Journal für Kinderschutz ist ein dynamisches Werkzeug, das dir hilft, den Fokus zu behalten und besonnen zu handeln.
Über die Autorin

Andrea Brummack ist freie Sachverständige in Fragen sexualisierter Gewalt. Sie hilft Menschen, sexuelle Übergriffe zu bewältigen – auf der Basis nonverbaler Methoden. Sie forscht zu Traumafolgelösungen, publiziert darüber und entwickelt Fortbildungen für soziale Fachkräfte.
Ihr Buch „Way Out: Sichere Hilfe für missbrauchte Kinder. Was hilft und was heilt“ ist beim Springer-Verlag Berlin Heidelberg erschienen. Sie lebt derzeit in Tübingen bei Stuttgart, glaubt an die tägliche Portion Stille und liebt gut gemachte Krimis, in denen die Bösen ihr Fett ab kriegen. Ohne Glitzer.
„Meine Vision ist eine neue Generation von sozialen Fachkräften, die leicht mit dem Thema sexualisierte Gewalt gegen Kinder umgehen. Ich wünsche mir lebendige Beziehungen im Kinderschutz. Und ich verstehe, dass sozialpädagogische Fachkräfte ihre Arbeit lieben – auch wenn der Stress gewaltig ist. Weil da diese Kinder sind. Diese kleinen, unverfälschten Menschen.”